Mit „Papa Fox“ bekommen wir unsere 6. Boeing 777! Kapitän Christoph Bräuer beschreibt die aufregenden Stationen der „Einflottung“ aus der Wüste Arizonas nach Hongkong.

 

„Ein Flugzeug in den Airlinebetrieb einzuführen ist extrem aufwendig,“ weiß Kapitän Christoph B., der die „Einflottung“ des neuesten Familienzuwachs der Austrian Airlines von Anfang an begleitet hat. Es bedarf monatelanger Vorbereitungen, in denen viele Menschen der verschiedensten Abteilungen reibungslos zusammenarbeiten müssen. Für den myAustrian-Blog gibt uns Christoph B. einen Einblick in die aufregenden Tage der Operation „Einflottung Papa Fox“, der neuen Boeing 777 der Austrian Airlines Flotte. Mit seiner Crew hat er dabei 33.500 Kilometer zurückgelegt, 46 Stunden in der Luft verbracht, in fünf verschiedenen Hotels eingecheckt – und dabei null Mal zu Mittag gegessen.

 

 

5. Jänner 2018, in der Wüste Arizonas

 

Das Abenteuer beginnt! Nach monatelangen Vorbereitungen ist heute das Delivery Team aus der Technik, Martin N. und Christoph G., eingetroffen. Die nächsten Tage werden intensiv und aufregend.

 

 

8. Jänner 2018

 

Die LPF Delivery Inspection ist abgeschlossen! Das Flugzeug wurde heute Abend von der Leasing Gesellschaft an Austrian übergeben! Wir haben eine 6. Boeing 777!! Juhuuu!

 

 

9. Jänner 2018

 

Die Austro Control hat alle notwendigen Genehmigungen und Dokumente ausgestellt. Heute übernimmt sie mein Kollege und macht sich damit auf den Weg nach Pinal – denn nur mit den Original-Papieren dürfen wir losfliegen.

 

Wir hatten den ersten Kontakt mit der neuen Maschine und konnten am Flughafen die Abläufe für den „Verification Flight“ klären. Hier in der Wüste gibt es nur eine 2000 Meter lange Rollbahn, keinen Tower und keinen Zoll, daher werden wir bei einem positiven Verlauf des „Verification Flight“ die Maschine nach Phoenix bringen.

 

 

10. Jänner 2018

 

Das war ein langer Tag. Die Vorbereitungen für den „Erstflug“ laufen weiter. Organisatorisch sind alle Punkte erledigt, technisch sind wir im Finale. Das heutige Highlight war der Besuch der Austrian Pilotenkurse, die in Goodyear ihre Pilotenausbildung absolvieren. Auch die zukünftigen Pilotinnen und Piloten hatten Gelegenheit, unsere neue Boeing 777 namens „Papa Fox“ genau zu inspizieren. Die Aufregung und Freude war groß!

 

11. Jänner 2018

 

Nicht immer läuft alles wie geplant. Obwohl der erste Flug als Austrian Flugzeug erfolgreich war, gab es auch Probleme. Die für die Überstellung von Phoenix nach Hongkong so wichtigen Langstreckenkommunikationssysteme machten Probleme. Zum Glück waren die Ersatzteile verfügbar und die Probleme sind behoben. Heute ist dann auch noch das letzte Mitglied unseres „Delivery Teams“ in Phoenix gelandet. Damit ist die Cockpit-Crew für die Überstellung nach Hongkong komplett! Ich freue mich schon!

 

 

12. Jänner: Auf nach Phoenix!

 

Mit 30 Minuten Verspätung können wir starten. Auf dem kurzen Flug nach Phoenix werden noch letzte Systemchecks  durchgeführt und eine halbe Stunde nach dem Start rollen wir bereits in Phoenix zu unserer Parkposition. Großer Dank gebührt den Leuten aus dem Austrian Dispatch! Sie versorgen uns täglich mit den notwendigen Flugplänen und behalten das Wetter über dem Pazifik genau im Auge um den morgigen Flug nach Hongkong zu optimieren.

 

Unsere erste freie Stunde seit der Abreise aus Wien nutzen wir, um einer Einladung unserer Pilotenschüler in Goodyear zu folgen. Es wird ein sehr nettes BBQ mit Führung durch die Flugschule. Unsere zukünftigen Kollegen verbringen im Zuge ihrer Ausbildung sechs Monate hier.

 

 

13. Jänner, kurz vor 23:00 in Phoenix, Arizona

 

Gerade haben wir die noch ausstehende Export-Freigabe bekommen. Somit können wir das Flugzeug von Phoenix nach Hongkong überstellen. Die 13.200 Kilometer lange Flugstrecke entspricht einem Drittel des Erdumfanges! Es ist der längste Flug in der Geschichte der Austrian. Mit vollgefüllten Tanks könnten wir sogar etwas über 23 Stunden unterwegs sein! Voll beladen mit Passagieren und Fracht reduziert sich die maximale Flugzeit auf „nur mehr“ 13 Stunden.

 

Voll getankt haben wir natürlich nicht, denn das wäre unwirtschaftlich. Landen werden wir am 15. Jänner, 8:00 Uhr Früh in Hongkong. Da wir die Datumsgrenze in westlicher Richtung überfliegen, überspringen wir den 14. Jänner. Die Flugzeit beträgt 15:30 Stunden.

 

 

15. Jänner 2018, Hongkong, China

 

Wir haben es geschafft! Wir sind in Hongkong gelandet! Doch der Reihe nach: Obwohl alles organisiert war, hat am Anfang einiges nicht funktioniert. Wir wurden in Phoenix nicht abgeholt, dann war keine Stiege am Flugzeug und fertig betankt war die „Papa Fox“ ebenfalls nicht. Drei Minuten vor der geplanten Zeit konnten wir dann trotzdem losrollen.

 

Von Phoenix ging es zunächst in Richtung Seattle, vorbei an Vancouver über den Golf von Alaska weiter zu den Aleuten. Dann überflogen wir die Bering See und Kamtschatka, über das Ochotskische Meer in Richtung russisches Festland. Im äußersten Nordosten von China traten wir in den chinesischen Luftraum ein, nördlich an Nord-Korea vorbei erreichten wir dann Peking. Leider sahen wir von diesem interessanten Teil der Erde rein gar nichts. Durch die Rotation der Erde sind bei Flügen in Richtung Westen die Nächte immer seeeehr lange. Nach 14:40 Stunden Flugzeit ist dann endlich die Sonne aufgegangen. Ein unglaublicher Moment! Rechnet man die Zeit vor dem Abflug in Phoenix dazu, hatten wir mit 21:40 Stunden unsere wohl längste Nacht.

 

 

Ab Peking erreichten wir dann wieder bekannten Luftraum. Um 7:57 landeten wir in Hongkong, 13 Minuten vor Plan. Noch während wir ausstiegen kamen die ersten Techniker. Die Papa Fox bekommt nun eine komplett neue Kabine, ein „Crew Rest Compartment“, den neuesten Bordcomputer, viele Modifikationen und eine neue Lackierung.

 

Aus Sicht des Flugbetriebes können wir zur Operation „Einflottung Papa Fox“ stolz und glücklich „Mission completed“ sagen!

 

Der Dank geht dabei an die vielen Kolleginnen und Kollegen in allen Abteilungen der Austrian, die tage- und nächtelang, auch von zu Hause aus, vor oder nach den Bürozeiten und am Wochenende erreichbar waren. Ein Flugzeug „einzuflotten“ ist Teamarbeit und wir waren ein tolles Team!!

 

Anfang Mai findet dann noch die letzte Etappe von Hongkong nach Wien statt, der kommerzielle Erstflug ist dann für Mitte Mai geplant.