Sie sind Handwerker, Seelsorger und sprichwörtlich „Mädchen“ für alles. Doch was genau steckt hinter der Tätigkeit eines Cabin Attendant? Und was kann während eines Fluges so alles unvorbereitet passieren? AUA-Mitarbeiterin Michaela Prießnitz wollte es genau wissen und begleitete eine Crew auf einem Vierer-Leg.

 

Als ich meinen Kollegen im Head Office von meiner Mission – Begleitung einer Cabin-Crew an Bord – erzählte, erblassten viele vor Neid. Auch ich war voller Vorfreude und Spannung, was mich alles erwarten würde. Eine lange Planung eilte meiner Mission voraus. Endlich war es so weit: Am 30. August begleitete ich Iris Spenger, Martina Walla, Kristina Friedrichkeit, Iris M. und die Cockpit-Crew Harald Pum und Stefan Biegler an ihrem Arbeitstag. Die Flugstrecken Wien – Dubrovnik – Wien und anschließend Wien – Paris – Wien – klangen verlockend und spannend. Dennoch hatte ich schon eine Ahnung, dass dieser Tag alles andere als entspannend werden würde.

 

Checked!


Ich treffe mich mit der Crew im Briefingraum 2 im ersten Stock des Office Park 2 zum Check-in um 11.40 Uhr. Gemeinsam gehen wir die Unterlagen durch, auf denen die Besonderheiten und Passagierdaten der Flüge stehen, beispielsweise wie viele Infants wir vermutlich an Bord haben, ob wir HON-Kunden, oder Passagiere mit Wheelchair erwarten. Wir besprechen, welche Kollegin welche Position einnimmt: 1, 2, 3, 4, 5,… Ich verstehe (noch) Bahnhof. Meine nächste Herausforderung: Wir besprechen gleich alle vier Legs. Da alle Flüge innerhalb der EU stattfinden, gibt es keinen Bordverkauf. Interessant zu wissen ist auch, dass auf den Paris-Flügen keine Le Monde Zeitungen mehr geladen werden. Außerdem sollten für den Flug von Paris nach Wien für zwei Passagiere Kuchen und Piccolo Flaschen Sekt beladen sein. Safetytechnisch wird auf die heutigen Flugzeuge eingegangen und auch das Thema First Aid wird zur Sprache gebracht.

 

Austrian Airlines

 

Mit diesen und vielen weiteren Informationen treffen wir uns im Anschluss vor dem Head Office wieder und warten auf den Crew Bus. Es geht los! Jetzt werde ich nervös. Stehe ich der Crew bei ihrer Arbeit nicht im Weg? Werde ich aktiv mithelfen können? Zum Grübeln bleibt keine Zeit – die nächste Station wartet: der Security Check. Eine Formsache. Auch die Passkontrolle ist rasch erledigt.

 

Wir steigen in den Apron Crew Bus, der uns zum Flieger bringt. Um einen guten Überblick zu bekommen, stelle ich gemeinsam mit der Crew einen Plan auf und bin auf der Strecke Wien – Dubrovnik ein „normaler“ Passagier. Das hat den Vorteil, dass ich die Rolle des Beobachters einnehmen und mir genügend Notizen für Fragen aufschreiben kann. Einen enormen Unterschied zum normalen Passagier gibt es später aber doch: Während des Landeanflugs darf ich im Cockpit sitzen und über Funk sämtliche Gespräche mithören.

 

Wien – Dubrovnik OS731

 

Austrian Airlines

 

Jetzt sind wir an Bord, und sofort beginnt emsiges Treiben. Zuerst wird der Emergency Equipment Check durchgeführt. Da das Flugzeug aus Zürich gekommen ist, ist ein Security Check der Hatracks (Gepäcksfächer) nicht notwendig. Dies haben bereits die Kollegen vom ZRH Flug erledigt. Aber es gibt genügend andere Dinge zu überprüfen: Funktioniert das Inflight Entertainment, sind alle Essen geladen, wie viele zusätzliche Meals sind an Bord? Dann wird der Zeitungstrolley vor dem Flugzeug bestückt.

 

Austrian Airlines

 

Austrian Airlines

 

Obwohl der Zeitdruck enorm ist, verläuft alles ruhig und routiniert. Eine Kollegin bleibt am Sitz 1A hängen und reißt sich die Strumpfhose auf. Wir bemerken, dass beim Sitz ein Metallstück weg steht. Kein Problem: Fachmännisch benutzt Iris den Gurt, um es wieder an den Sitz zu drücken. Gefahr gebannt! Durch das automatische Boarding wissen wir, wie viel Zeit uns noch bleibt. Wir sind jedenfalls fertig.

 

20 Minuten vor Abflug: Der erste Kunde kommt an Bord, und ich darf ihn willkommen heißen! Ich bin Teil der Crew! Die Economy Class ist ausgebucht. Wir haben ein Baby an Bord. Martina Walla gibt der Mutter einen speziellen Gurt, eine Baby Schwimmweste und hilft beim Angurten. Alle Passagiere sind an Bord. Jetzt schnell die Zeitungen verstauen, doch wohin? Die Gepäcksfächer sind schon voll. Und der Zeitungstrolley muss auch noch in der Kabine Platz finden.

 

 

Head Count: Bingo, wir sind vollzählig! Die Passagieranzahl stimmt mit der Boardingliste überein. Das Cockpit meldet sich: Harald Pum begrüßt die Passagiere und informiert über den pünktlichen Start. Jetzt gibt es noch einiges zu tun: Die Flugbegleiter auf den Positionen 1, 2 und 3 aktivieren die Notrutschen („Cabin Crew, yellow slide selector arm“), und Iris schaltet das Sicherheitsvideo ein. Dann begrüßt sie unsere Gäste über die Bordansage.

 

Das Economy Essen – wahlweise Soletti Mix oder Manner Schnitten – sowie kalte und heiße Getränke werden serviert. Sechs Minuten nach dem Abservieren beginnen wir schon mit dem Sinkflug! Ich darf ins Cockpit und beobachte fasziniert den Landeanflug. Ein Traum! Nach der Landung deaktivieren die Kollegen in der Kabine wieder die Notrutschen. Die Passagiere gehen von Bord.

 

Austrian Airlines

 

Während des kurzen Aufenthalts schnuppere ich kroatische Luft, und dann geht es schon wieder los: Sind die Safety Cards, Bordmagazine und das „Waste-Sackerl“ in allen Sitztaschen? Das Reinigungspersonal – es ist an Bord gekommen, als der letzte Passagier vorne das Flugzeug verlassen hat – beginnt mit den Aufräumarbeiten. Es wird staubgesaugt. Die Zeitungen werden wieder platziert und geschlichtet.

 

Dubrovnik – Wien OS732

 

Die Passagiere kommen an Bord. Eine Flugbegleiter Kollegin, die privat reist, gibt sich zu erkennen. Das ist sehr hilfreich, denn im Falle von Turbulenzen oder ähnlichem ist es für die Crew an Bord gut zu wissen, dass man professionelle Hilfe an Bord hat. Ich sitze auf diesem Flug am Jump Seat in der hinteren Galley. Es rumpelt und hört sich gar nicht „safe“ an. Ist es aber natürlich. Als sich die Trolleys beim Start bewegen, bekomme ich Panik: Habe ich wirklich alle gut versperrt? Habe ich.

 

Während die Passagiere noch den Steigflug aus den Fenstern beobachten, herrscht schon emsiges Treiben: Wir bereiten die Trolleys vor. Sobald die Anschnallzeichen erloschen sind, geht es los. Bei einer Flugzeit von 1 Stunde und 5 Minuten bleibt keine Zeit für Verzögerungen. Die Kollegen servieren den Passagieren Snacks und Getränke, und ich sorge ich in der hinteren Galley für Ordnung.

 

Austrian Airlines

 

Schön langsam macht sich auch bei mir Hunger bemerkbar. Mein Kopf beginnt zu schmerzen, schon nach dem ersten Leg. Habe ich überhaupt genug getrunken? Nein! Ich habe die trockene Luft im Flieger total unterschätzt. Der Flug verläuft ruhig, alle Passagiere sind ruhig und glücklich. Wir landen.

 

Nachdem der letzte Passagier ausgestiegen ist, folgt ein gewissenhafter Check, ob in den Hatracks nichts vergessen wurde. Wir verlassen die Maschine. Harald Pum informiert uns, dass die Maschine zu unserem nächsten Flug noch nicht gelandet ist. Wir verbringen also zehn Minuten im Check-Point 3liebevoll „Container“ genannt. Kurzes Durchatmen. Als der A321 OE-LBD gelandet ist, werden wir mit dem Crew Bus hingebracht.

 

Wien – Paris OS417

 

Gleichzeitig mit dem Catering und dem Reinigungspersonal erreichen wir das Flugzeug. Nach den mittlerweile schon bekannten Checks kommen schon die nächsten Passagiere an Bord.

 

Der Ramp Agent informiert uns, dass wir wahrscheinlich 22 Passagiere und 2 Infants aus Tirana nicht mitnehmen können, da sie verspätet ankommen. Beim Eingang weigert sich ein Passagier, den Buggy abzugeben. Schließlich lässt er sich aber überzeugen und der Ramp Agent verstaut den Buggy im Baggage Compartment. Tonnen an Handgepäck kommen an Bord. Schön langsam bekommen wir extreme Platzprobleme. Aber schließlich geht sich alles aus.

 Austrian Airlines

Finale Entscheidung: Wir müssen die TIA-Passagiere in Wien lassen. Der Ramp Agent gibt uns die neuen Passagierzahlen bekannt. Head Count: 160 Economy Class Passagiere, zwei Infants und sechs Business Class Passagiere. Oh nein! Laut Ramp Agent sollten sich drei Babies an Bord befinden. Nach ein paar Minuten löst sich der Irrtum auf. Boarding completed. Weiter geht’s mit der Bordansage. Unmittelbar danach will ein Passagier schon aufstehen. „Excuse me, Sir! Please remain seated!“ Rasch wird das Business Class Essen vorbereitet, und das Service beginnt.

 

Der dritte Leg hinterlässt seine Spuren: Mittlerweile ist es nach 17.30 Uhr. Meine Gesichtshaut spannt und die Beine beginnen zu schmerzen. Die körperliche Anstrengung macht sich eindeutig bemerkbar. Auch die Crew bestätigt mir: Der dritte Leg ist am anstrengendsten.

 

Auf diesem Flug müssen unsere Passagiere, im Gegensatz zu den Dubrovnik Flügen, ständig auf die Toilette. Liegt es an der Uhrzeit? Trinken sie mehr an Bord? Der Co-Pilot meldet sich aus dem Cockpit: Wir fliegen noch 40 Minuten und werden pünktlich in Paris landen.

 

Der Außenstations-Mitarbeiter in Paris begrüßt mich herzlich. In Paris haben wir erfreuliche 55 Minuten Zeit. Dachte ich, denn die knappe Stunde beinhaltet das komplette De-Boarding, das Cleaning, sämtliche Checks und das Boarding. Und das wird eng. Denn schon das De-Boarding kommt mir vor wie eine Ewigkeit.

 

Paris – Wien OS418

 

Beim Boarding in Paris müssen die Kollegen aktiv helfen, das Handgepäck zu verstauen. Ich verteile Spielzeug an die Kinder. Wir starten: der letzte Leg. Ich gebe auf. Obwohl ich nicht einmal einen Bruchteil der Arbeit meiner Cabin Kollegen gemacht habe, bin ich körperlich komplett erledigt. Meine Augen brennen, meine Haut schreit nach Wasser und meine Beine kribbeln. Die Kollegen schauen frisch und munter aus. Wie machen sie das? Routine? Höchste Professionalität!

 

Wir landen. Die Passagiere steigen aus. Wir verlassen das Flugzeug und der Crew Bus bringt uns wieder zurück zum Head Office. Beim Debriefing zolle ich meinen Respekt und bedanke mich für dieses einzigartige Erlebnis. Müde und erschöpft, aber mit überwältigenden Eindrücken fahre ich nach Hause.

 

Austrian Airlines

Die Crew: (v.l.) Stefan Biegler, Martina Walla, Harald Pum, Iris Spenger, Iris M., Kristina Friedrichkeit.

 

Ich möchte mich ganz herzlich bei der gesamten Crew bedanken, dass sie mir einen Einblick in ihren Arbeitsbereich gegeben hat. Mein Dank gebührt aber auch den Kollegen, die meine Mission im Hintergrund organisiert haben. Das war gar nicht so einfach, denn ich habe ja das Flugzeug nicht verlassen und musste manuell auf allen vier Legs geboardet werden. Dank aller Beteiligten der Station Wien und an den Außenstationen hat das reibungslos geklappt!

 

Dieser Tag hat mir gezeigt, wir enorm wichtig ein Austausch der Kollegen innerhalb des Unternehmens ist. Erst dadurch bekommen wir einen Eindruck der Tätigkeiten und verstehen vieles besser. Meinen nächsten Flug werde ich jedenfalls mit ganz anderen Augen sehen!

 

[stextbox id=“info“ caption=“Werde Flugbegleiter bei Austrian Airlines“ bwidth=“#adb1b3″ color=“000000″ ccolor=“000000″ bcolor=“adb1b3″ bgcolor=“ceecfd“ cbgcolor=“adb1b3″ bgcolorto=“ceecfd“ cbgcolorto=“adb1b3″] Du liebst das Fliegen und würdest gerne Flugbegleiter bei Austrian Airlines werden? Wir stellen heuer 280 neue Flugbegleiter ein, 100 davon suchen wir noch. Diese neuen Positionen stehen in Zusammenhang mit dem zusätzlichen Langstreckenflugzeug vom Typ Boeing 777, welches ab Sommer die Austrian Flotte erweitern wird. Interesse? Dann kannst du dich gleich hier bewerben. Wir freuen uns auf dich! 🙂 [/stextbox]