Weltpremiere in der Austrian Technik! In unserer ersten redblog Story haben wir bereits einen Blick hinter die Kulissen des Mega-Umbaus unserer neuen Langstrecken-Flotte geworfen. Nun wollen wir euch noch einige spannende Facts & Figures zum Umbau der B777 in Wien verraten: Warum ist der Umbau der Flotte eine Weltpremiere? Wieviele technische Zeichnungen müssen für den Umbau angefertigt werden? Und wieviel Kilogramm Verkabelung versteckt sich eigentlich in einer Boeing 777? Wir haben mit den verantwortlichen Technikern des Mega-Umbaus  gesprochen.

 

 

1. Die Weltpremiere

 

Oliver Trinkaus

Mit dem Umbau der Boeing 777 findet eine Weltpremiere statt: Denn die Sitze und das IFE werden in dieser Konfiguration auf diesem Flugzeugtyp weltweit erstmals eingebaut. Das Austrian Technik-Team hat Kabinenumbauarbeiten in vier B777 vor sich. Aber die vier Flugzeuge sind nicht ident, sie haben drei verschiedene Konfigurationen. „Daher ist jedes Flugzeug wie ein Neuanfang“, erklärt Oliver Trinkaus, Teamleader Base Maintenance und Koordination C-Check. „Das heißt, bei jedem Flugzeug neu vermessen und genau arbeiten. Denn das Resultat sehen unsere Passagiere sofort.“

 

 

2. Die Vorgabe: 1.400 Zeichnungen pro Flugzeug

 

Walter Beuk

Die Techniker arbeiten beim Umbau der B777 nach Zeichnungen – pro Flugzeug sind es etwa 1.400. „Wir haben eine permanente Kontrolle vor Ort: der so genannte Designated Engineering Representative (DER) kontrolliert jede Zeichnung und überprüft, ob auch alles so eingebaut wird, wie es auf der Zeichnung vorgegeben ist“, erklärt Walter Beuk, Technischer Projekt Manager vom Component & Airframe Engineering. Die Realität sieht natürlich manchmal anders aus. „Manche Teile  passen nicht, weil sich beispielsweise ein Loch an der falschen Stelle befindet“, so Walter Beuk.  „Da reicht schon ein Millimeter. In diesem Fall muss man eine so genannte Abweichung schreiben und von der amerikanischen Behörde genehmigen lassen. Das dauert ein paar Tage. Und während dieser Zeit kann man an dieser Stelle nicht weiterarbeiten,  sondern muss umplanen.“

 

 

 

 

3. Kabelsalat: 150 Kilogramm Verkabelung

 

Der Kabinenumbau beginnt damit, dass die Kabine komplett leergeräumt wird: Die Sitze, Verkabelung, das IFE-Compartment und die vordere Galley werden ausgebaut. „Das dauert ungefähr eineinhalb Wochen“, sagt Walter Beuk. Beim Ausbau des alten Inflight Entertainment  Systems werden Unmengen an Kabel aus dem Flugzeug entfernt, pro Flugzeug ungefähr 150 Kilo. Sie können nicht mehr verwendet werden und werden entsorgt. Einen neuen Besitzer finden dafür unsere alten Sitze: Sie werden nach dem Ausbau zwischengelagert und dann weiterverkauft.

 

 

4. Die Flugzeugwaage

 

„Nach dem gesamten Umbau muss die B777 neu gewogen werden,  weil der Umbau natürlich einen Eingriff in die Gewichtsverlagerung darstellt. Man muss also den neuen Schwerpunkt des Flugzeugs bestimmen“, erklärt Herbert Huemann, Teamleader Base Maintenance und verantwortlich für den elektrischen Teil.

 

Und wie wiegt man eine Boeing 777? Das geht so: Die B777 wird mit einem Traktor auf Wiegeplatten gezogen.

 

 

Auf den Wiegeplatten befinden sich so genannte piezoelektrische Messstreifen. Dabei handelt es sich um eine Art Kristall, der auf Druck reagiert und so Spannung abgibt. Mit dieser Spannung kann wiederum das Gewicht der B777 berechnet werden.

 

 

 

Elektronische Personenwaagen basieren übrigens auf dem selben Prinzip. Pro Flugzeug werden insgesamt 2 – 3 solcher Messungen durchgeführt, um Messfehler auszuschließen.

 

 

5. Final Check: der Testflug

 

Wenn die Arbeiten in der Kabine abgeschlossen sind, steht noch der finale Check bevor: In einer rund einwöchigen Testphase finden verschiedene Funktions- und Belastungstests statt. Zum Abschluss absolviert das Flugzeug einen Testflug, bei dem während des Fluges nach einem Checkprogramm ausgiebig getestet wird. Funktionieren alle Sitze? Öffnen und schließen alle Overhead Bins? Können 40 Laptops gleichzeitig in Betrieb genommen werden? Ein Testflug auf Herz und Nieren also, der immerhin sechs bis acht Stunden dauert.  Die Piloten, die so einen Testflug absolvieren, benötigen hierfür eine besondere Ausbildung. Der Abschluss ist schließlich die Erlangung der luftfahrtrechtlichen Genehmigung sowohl der amerikanischen (FAA) als auch der europäischen (EASA) Luftfahrtbehörde.

 

Während dem Testflug

 

Unsere Techniker müssen sich also an eine sehr penible Planung halten und sich jeden Tag neuen Herausforderungen stellen. Wir hoffen, dass euch unsere neuen Langstrecken-Kabinen gefallen werden und freuen uns schon, euch an Bord begrüßen zu dürfen! Damit ihr schon mal einen Vorgeschmack bekommt, seht ihr hier nochmal die Bilder zum Umbau der Boeing 777 in Wien.  Seid gespannt: Nächstes Mal zeigen wir euch dann die exklusiven Bilder des Umbaus der Boeing 767 in Shannon. 🙂