Der London City Airport ist eine Besonderheit: durch seine Lage mitten in London ist dieser Flughafen eine Herausforderung für alle Piloten. Der Cheffluglehrer von Austrian Airlines, Martin Gneist, erzählt uns im heutigen redblog vom London City Airport, der Herausforderung diesen Flughafen anzufliegen und vom bewegendsten Erlebnis seiner ganzen Karriere.

 

Für unser redblog Flotten-Special hat uns Martin Gneist mehr über die Austrian Flotte berichtet und uns eine sehr schöne Geschichte erzählt, die wir euch nicht vorenthalten wollen.

 

London City Airport

 

London City Airport beim Anflug © Patrick Radosta (austrianwings.info)

London City Airport beim Anflug © Patrick Radosta (austrianwings.info)

 

„2008 ist das Austrian Netzwerk mit der Bitte an uns herangetreten alle notwendigen Schritte einzuleiten, um den als sehr schwierig anzufliegenden Flughafen London City in den Flugplan aufnehmen zu können. Es wurde entschieden, dass vorerst nur Fluglehrer die neue Destination anfliegen und die Landung ausschließlich vom Kapitän durchgeführt werden darf,“ erzählt uns Cheffluglehrer Martin Gneist vom Beginn des Projekts London City Airport.

 

Bald folgten ein Schulungsprogramm und eine eigens produzierte DVD der Technischen Piloten, deren Inhalt die Besonderheiten London Citys aufzeigte.

 

 

London City hat einen ungewöhnlich steilen Anflug, der mit 5,5° sehr stark von den gewohnten 3° abweicht. Es herrscht hohes Verkehrsaufkommen wegen der Nähe zum Flughafen Heathrow, starker Seitenwind und lang anhaltende Nebelperioden“, schildert Martin Gneist.

 

 

 

 

 

 

Um die steilen Anflüge durchführen zu können, wurden an Teilen unserer Fokker 70 Flotte Modifikationen am Fahrwerk und an der Navigation durchgeführt. Das praktische Training der Crews fand anschließend am Militärflugplatz Zeltweg statt, wo es das einzige Anflugverfahren in Österreich mit einem Winkel von 5° gibt. Dies ermöglichte eine Simulation der Anflüge in London City.

 

 

 

 

“ Trotz der zeitlich sehr geringen Vorlaufzeit war es uns gelungen ein Trainingsprogramm auf die Beine zu stellen, das in den darauf folgenden Monaten einen sicheren und reibungslosen Ablauf garantierte. Die Bestätigung, dass die von Tyrolean durchgeführte Operation, bis zur Einstellung der Flüge, am Flughafen London City hoch angesehen war, haben wir bei unserem letzten Flug, den ich nun kurz beschreibe, erhalten…“

 

 

Der letzte Flug

 

„Für uns Crewmitglieder begann dieser Dienst wie gewohnt, mit der Ausnahme, dass es bis auf weiteres der letzte Flug einer Austrian Arrows Fokker nach London City sein sollte. Schon die Ankunft in London City zeigte uns aber, dass es doch nicht „Business as usual“ sein sollte: dafür sorgte die von Tränen aufgelöste Kollegin, die unsere Flüge in den vergangenen Monaten sehr professionell und mit viel persönlichem Einsatz abgefertigt hatte.

 

Nach einigen tröstenden Worten, schafften wir es dann trotz Allem pünktlich weg zu rollen um dann, für unser Gefühl unangemessen lange am Abflugpunkt auf unsere Freigabe für den Abflug zu warten.

 

Nachdem kein Flugzeug mehr weit und breit zu sehen war, bekamen wir die Anweisung in die Piste zu rollen und dort zu halten.

 

Was dann kam, sorgt noch heute für Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.

 

Der Lotse am Turm bedankte sich bei uns, im Namen aller am Flughafen tätigen Organisationen, für die professionelle und reibungslose Zusammenarbeit der letzten Monate und drückte uns sein Bedauern darüber aus, dass dies der letzte Austrian Arrows Flug nach London City war.

Mein Copilot und ich saßen nun da, von dem gerade gehörten so überwältigt, dass wir nicht wussten, was wir darauf antworten sollten.

 

Heraus kam ein kurzes „Thank you, we also enjoyed flying to London City“.

 

Nachdem wir die Startfreigabe erhalten hatten, gab ich meinem Copiloten die Anweisung gleich nach dem Einfahren des Fahrwerks, zum Abschied mit den Flächen zu winken, was dann auch gleich vom Lotsen mit einem „Thank you guys“ goutiert wurde.

 

Fokker 70 © Gerhard Vysocan

Fokker 70 © Gerhard Vysocan

 

Warum wir vor der Startfreigabe so lange am Haltepunkt warten mussten wurde uns klar nachdem wir zum Flugverkehrslotsen für den Abflugbereich übergeben wurden.

 

Dieser führte uns in 3000ft, abweichend von allen publizierten Abflugverfahren, noch einmal genau über den Pistenmittelpunkt von London City Richtung Süden.

 

Während dessen bedankte auch er sich in seinem und im Namen seiner Kollegen für die professionelle Zusammenarbeit der letzten Monate, um uns dann an den nächst höheren Sektor weiterzugeben, der uns wieder Richtung Osten in den gewohnten Abflugsektor einreihte.

 

Für mich war es das emotionalste Erlebnis in meiner bis dahin 15 jährigen Karriere als Pilot.

 

Obwohl es auch wetterbedingt nicht immer einfach war London City anzufliegen, so sind wir doch stolz auf das Privileg dort gewesen zu sein.“