Eine Ayurveda-Kur auf Sri Lanka ist wie die Rückkehr ins Paradies. Endlich Zeit, um zu sich selbst zu kommen, heil zu werden und ganz zu sein. Ein Erlebnisbericht von myAustrian Fan Julia von der wunderschönen Tropeninsel im Indischen Ozean.

 

Das Leben ist nicht immer nett zu uns. Krankheiten, Todesfälle, Herzens-Schmerz – leider gibt es viele Umstände, die es einem immer wieder schwermachen, positiv oder gar glücklich zu sein. Die Entscheidung, nach Sri Lanka zu fahren um mich dort einer Ayurveda-Kur zu unterziehen, hatte für mich etwas von Lebensrettung an sich.

 

Vor allem mein Herz und meine Seele waren stark unter Beschuss geraten, die letzten Monate. Ich hatte einen Todesfall und eine Trennung zu verdauen. Jetzt konnte mir nur noch eine Auszeit mit ganz großem Erholungsfaktor helfen! Ayurveda, die jahrtausendalte ganzheitliche Heilkunst der Inder, die so viel wie „Wissenschaft vom Leben“ bedeutet – klang da für mich wie nach der sprichwörtlichen letzten Rettung in höchster Not.

 

 

Nach der 4-tägigen Rundreise zu Sri Lankas wichtigsten Sehenswürdigkeiten kamen meine Freundin und ich voller wunderbarer Eindrücke – aber auch vollkommen erschöpft – in unserem Hotel Villa Lanka Pearl  im Südwesten der Insel an. Wie froh wir waren, als wir uns auf der Terrasse mit einem Cocktail in der Hand in diesem kleinen aber feinen Ayurveda-Paradies wiederfanden. Nur wenige Schritte vom Palmen-Traumstrand entfernt in einem üppigem Garten mit Swimming-Pool, geschmackvoll eingerichteten Zimmern und freundlich lächelndem Personal. So genossen wir das letzte Mal für die kommenden zehn Tage die berauschende Wirkung des Alkohols, lauschten den Wellen der nahen Brandung und dem Gezwitscher der Paradiesvögel rund um uns herum.

 

 

Wir wollten uns in der Villa Lanka Pearl einer Light-Version der berühmt-berüchtigten „Pancha-Karma-Kur“-unterziehen, die eine „fünffache“ Reinigung von Körper, Seele und Geist verspricht. Und tatsächlich: Als wir beim ersten gemeinsamen Abendessen die anderen Gäste kennen lernten, konnten wir bei jenen, die schon länger hier waren ein nicht zu verleugnendes Leuchten in den Augen feststellen, eine Ausgeglichenheit und Ruhe, die wie ein beruhigendes, wärmendes Licht von ihnen ausstrahlte. Ob das bei uns auch so sein würde? Welche Wirkung würde die Ayurveda-Kur auf uns haben?!

 

Ayurveda, das ist Heilung und Auszeit für sich selbst. Ob lediglich zum Fasten oder bei Stoffwechsel-Erkrankungen, Allergien, Rheuma, Arthrosen, Verdauungs- oder Atemwegsbeschwerden, Schlafstörungen, psychischen Belastungen oder Burn-Out – was auch immer man mitbringt, eine Besserung ist mithilfe dieses ganzheitlichen medizinischen Ansatzes in Sicht. Dabei besteht jede Ayurveda-Therapie aus einem Mix an Maßnahmen, die Körper, Seele und Geist wieder in Einklang bringen.

 

 

Gleich am nächsten Morgen war mein erster Termin bei der Ayurveda-Ärztin. Sie ertastete meinen Puls, begutachtete meine Zunge und erfragte Beschwerden und Lebenswandel. Als sie die simple Frage stellte: „Und, wie geht es Ihnen?“, brach es aus mir heraus – ich konnte nicht anders und musste losheulen. Weinen, weinen, weinen. Warum genau, konnte ich mir nicht einmal selbst erklären – nur so viel: Dass nun endlich die Zeit gekommen war, in der ich mich ausschließlich um mich selbst kümmern konnte, musste und durfte.

 

Dank meines Ausbruches bekam ich zuallererst einmal viel Ruhe verschrieben. Dazu noch eine auf meine Bedürfnisse abgestimmte Kost, welche für alle 14 anwesenden Gäste individuell und täglich frisch zubereitet wurde. Und dazu natürlich die typisch braun bis grünfärbigen Pillen, die wir alle jeweils nach den gemeinsamen Mahlzeiten einzunehmen hatten. Täglich vor dem Frühstück fand auf der Dachterrasse unseres Wohnhauses – inmitten von Palmwedeln und exotischem Blättergewirr der Yoga-Unterricht mit Therapeut Hachi statt. Aber das für mich Schönste von allem waren die: Massagen, Massagen, Massagen! Mindestens drei Mal pro Tag genoss ich entweder eine Bauchmassage, Beinmassage, Fuß- und Kopfmassage, Rücken, Schulter, Arme – außer den heiklen Stellen am Körper wurde von den kräftigen, braunen Händen der geübten Ayurveda-Therapeuten nichts ausgelassen. Dank dem Öl, das dabei mehr als reichlich zum Einsatz kommt, fühlt man sich spätestens am dritten Tag wie eine Ölsardine. Was aber nicht weiter schlimm ist, da es jedem so geht und auch jeder so aussieht!

 

 

Als ich nach dem „Reinigungstag“ (hier bekommt man abführende Pillen) wieder zu Kräften kam, besuchte ich jeden Tag noch vor dem Yoga den kilometerlangen, gelben Sandstrand. Hier, am Ende der Welt inmitten von Wellen, Sand und Palmen begrüßte ich jeden Tag aufs Neue die Sonne, die zwischen den Palmen hervor in Richtung Himmel kroch. Zwischen den Massagen und Anwendungen schwamm ich im Meer oder lag im Schatten, las oder unterhielt mich mit den anderen Gästen, drehte eine Runde im Pool oder durfte zur Abwechslung in die von einem Holzfeuer beheizte Sauna gehen. Ab fünf Uhr nachmittags fanden wir uns immer am Strand ein, um dort bei einer Tasse Tee gemeinsam das Versinken der Sonne im Meer zu beobachten. Nach dem Abendessen wurde meist noch etwas geplaudert und dann, allerspätestens um halb zehn Uhr ging es in Richtung Bett, schlafen. Herrlich.

 

Ich kann nicht mehr genau sagen, wann es passiert ist. Es muss so am sechsten, siebten Tag gewesen sein. Als ich in der Früh am Strand wie jeden Tag die Sonne begrüßte, verspürte ich plötzlich eine durch und durch gehende, tiefe Dankbarkeit. Die, wann immer ich diesen Augenblick herbeidenke, wiederkehrt.

 

 

Auch heute noch, etwa ein Jahr nach meiner Ayurveda-Kur im Hotel „Villa Lanka Pearl“ denke ich oft an diese schöne Zeit und vor allem diesen Augenblick am Strand zurück. Man sagt, die Wirkung einer Ayurveda-Kur hält in etwa ein halbes Jahr lang an – für mich hält sie immer noch.