Landschaftliche Vielfalt, sensationelle Aussichten, Abenteuer in Bergen und Meer. Die „Blumeninsel“ im Atlantik ist ein Eldorado für Aktivurlauber.

Wie ein winzig kleiner grüner Punkt liegt Madeira inmitten des weiten Ozeans, 700 Kilometer vom portugiesischen Festland entfernt. Schon beim abenteuerlichen Landeanflug – die Landepiste ist eine Brückenkonstruktion, die auf Stelzen ins Meer gebaut werden musste – wird klar, dass hier keine Langeweile aufkommen wird. Zwischen hohen Bergen und tosendem Meer erwarten uns die Schönheiten und Abenteuer dieser Insel: Schwindelerregend hohe Klippen, pittoreske Dörfer, schroffe Gipfel und eine vielfältige Blütenpracht, welche jede Seele aufblühen lässt.

Funchal: Bunte Hauptstadt

Mit dem Mietwagen bestreiten wir die kurze Strecke vom Flughafen entlang der Küste nach Funchal, der Hauptstadt Madeiras im Süden der Insel. Auf den typisch schwarz-weiß gepflasterten Straßen durchwandern wir das bunte Hafenviertel. Im berühmten „Mercado dos Lavradores“, dem Bauernmarkt im historischen Stadtviertel Santa Maria, zeigt sich wie bunt und vielfältig Madeira ist. Da wir nachmittags dorthin gelangen, ist der Markt bereits leer. Von freundlichen Einheimischen erfahren wir, dass wir in den Morgenstunden hierher kommen müssen, um das bunte Treiben der Einheimischen zu erleben, die sich hier ihren täglichen Bedarf an Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Blumen und Handwerksprodukten besorgen.

 

 

Gleich um die Ecke des Mercado liegt die „Rua de Santa Maria“, eine der ältesten Straßen des ehemaligen Fischerviertels. Mit dem Kunstprojekt „Arte Portas Abertas“ wurde die heruntergekommene Straße mithilfe von Street-Art-Kunst wieder salonfähig gemacht. Auf jeden Fall einen Abstecher wert! Wir schlendern die Straßen weiter, bewundern diverse „Azulejos“, gekachelte Wandbilder, an den Wänden der Häuser und Kirchen und lassen den Abend im Hafen, im Restaurant Marina Terrace mit herrlichen Fischgerichten und Blick auf die Promenade ausklingen.

 

Schlittenfahren im Sommer

 

Am nächsten Tag wartet die nächste Attraktion der Insel auf uns: Die Schlittenfahrt hinab von Monte, einem Stadtteil auf dem Hausberg Funchals. So schweben wir mit der Seilbahn über die Dächer und betrachten die Hauptstadt aus der Vogelperspektive. Danach geht es mit einer zweiten Seilbahn gleich weiter zum „Jardim Botanico“, dem Botanischen Garten der Blumeninsel, der neben sagenhaften Ausblicken vor allem die Herzen von Pflanzenliebhabern höher schlagen lässt und einen Überblick über die unglaubliche Pflanzenvielfalt dieser subtropisch anmutenden Insel gibt.

 

Credit: Michael Gaylard, Madeira – Funchal – Jardim Botanico

Im Restaurant „Zarcos“ nehmen wir das wohlverdiente Mittagessen zu uns – sagenhafter Ausblick über Funchal inklusive. Wir genehmigen uns den äußerst schmackhaften und traditionellen Fleischspieß, eine „Espetada“ mit dem obligaten Knoblauchbrot. Um uns Mut für die doch etwas abenteuerlich anmutende Schlittenfahrt anzutrinken, genehmigen wir uns einen „Poncha“, das traditionelle Mixgetränk Madeiras bestehend aus Rum und frisch gepresstem Fruchtsaft.

Die Korbschlitten stammen aus einer Zeit, als es noch keine Maschinen gab und selbst Eseln, der Transport durch die steilen Straßen und Gassen zu schwer war bzw. zu lange dauerte. So kamen die so genannten „Carreiros do Monte“ ins Spiel, die ihr Geld damit verdienten mithilfe der Korbschlitten Besucher, Gepäck oder Waren ins Tal zu transportieren. Damals fuhr man die gesamte Strecke von Monte nach Funchal, heute dauert der Spaß nur mehr circa fünf Minunten. Die Fahrt mit den beiden „Carreiros“ ist zügig, schwungvoll und aufregend! Wir hatten einen Riesen-Spass! Unbedingt ausprobieren!

 

Credit: Nadine, Carreiros do Monte

 

Felsformationen in der Morgenröte

Nach so viel Aufregung in der Hauptstadt, wird es Zeit für eine Landpartie, wie wir finden. Wir beginnen unsere Inselrundfahrt, die uns von Funchal Richtung Osten führt. Wir wollen am nächsten Tag den Sonnenaufgang auf der Halbinsel „Ponta de Sao Lourenco“ erleben, dem östlichsten Punkt Madeiras. So klingelt der Wecker bereits sehr früh, doch wir werden mit einer großartigen Morgenstimmung belohnt! Die unter Naturschutz stehende Landschaft unterscheidet sich hier vom Rest der Insel. Äußerst karge Böden in verschiedenen Farben mit schroffen Felswänden, die ins Meer abfallen. Nach einer zweistündigen Rundwanderung um die Halbinsel belohnen wir uns im Fischerdörfchen „Canical“ mit einem Capuccino und einem landestypischen Süßgebäck, einem „Pastel“. Den restlichen Tag genießen wir am kleinen hübschen Lava-Strand von „Canical“ bevor es weiter geht an die rauhe Nordküste der Insel.

 

Credit: Jan Kraus, Variety of colors, Ponta de São Lourenço, Madeira

Das Dach Madeiras: Pico Ruivo

Einen weiteren „Höhepunkt“ nämlich den höchsten Punkt der Insel, wollen wir am nächsten Tag ersteigen: den „Pico Ruivo“, das Dach Madeiras. Dafür übernachten wir im Örtchen Santana, wo auch die berühmten „Cases rurales“ die traditionellen strohgedeckten Bauernhäuser Madeiras zu besichtigen sind. So früh wie möglich stehen wir auf, um die etwa einstündige Wanderung vom Ausgangspunkt in Achada do Teixieira (20 Minuten mit dem Auto von Santana) auf das „Dach Madeiras“ anzutreten. Die eigentliche Königstour führt in einer prachtvollen Wanderung in rund drei Stunden vom „Pico do Ariero“ zum „Pico Ruivo“. Wir wählen die Kurzvariante und folgen dem gut ausgebauten Pfad im dichten Nebel. Glücklicherweise meint es der Wettergott gut mit uns, denn als wir den 1.862 Meter hohen Gipfel erreichen, öffnet sich wie von Geisterhand die Wolkendecke und gibt den Blick frei auf die rundum liegenden, tief eingeschnittenen Bergketten und den blauen Ozean am Horizont. Welch ein herrliches Panorama!

 

Credit: Mark Skarratts, Pico Ruivo

Baden im Lavapool: Porto Moniz

 

Die schroffe, steil ins Meer abfallende Gesteinslandschaft mit grünen Feldern, Wiesen und Gärten im Hinterland zieht sich weiter die Nordküste entlang bis weit in den Nordwesten. In der kleinen Stadt Porto Moniz am nordwestlichsten Spitz der Insel, bilden die bizarr geformten, dunklen Lavafelsen ein natürliches Schwimmbecken. Dank der Felsen erreicht uns die Brandung fast nicht und wir können im bereits herrlich warmen Wasser des Lavapools entspannen. An der Küste bei Porto Moniz befindet sich auch die Festung Forte Sao Joao Baptista aus dem 18. Jahrhundert, die heute das Aquario da Madeira beheimatet, wo 70 verschiedene Tierarten bestaunt werden können, die alle in der Meereswelt rundum Madeira heimisch sind.

 

Credit: David Stanley, Complexo Balnear de Porto Moniz

Levadas: Wandern entlang der kunstvollen Wasserkanäle

 

Levadas, ein Begriff der untrennbar mit Madeira verbunden ist. Mit den bereits im Mittelalter künstlich angelegten Wasserkanälen, wurde das Wasser aus den niederschlagreicheren Gebieten im Norden und Zentrum zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im trockeneren Süden transportiert. Ein raffiniertes Bewässerungssystem, das heute auch touristisch genutzt wird. Die beliebtesten Wanderwege führen entlang dieses 2.000 Kilometer langen Wassernetzes, das die ganze Insel durchzieht. Südlich von Porto Moniz fahren wir bei Achadas da Cruz auf die Hochebene „Paúl do Serra“. Auffallend wie still es hier ist. Das einzige Geräusch das man hört sind die Kuhglocken oder der Ruf eines Raubvogels, der die Stille stört. Bei Rabacal, einem ruhigen Nest auf der Hochebene, kann man eine der schönsten – und auch nicht so anstrengenden – Levada-Wanderungen auf Madeira machen: Zu den 25 Quellen und dem Risco-Wasserfall. In der Gehzeit von circa 3,5 Stunden sieht man viele kleine und einen großen Wasserfall, Quellen, üppige Vegetation, spektakuläre Aussichten und das Schönste: jahrhundertealten, knorrigen Lorbeerwald.

 

Credit: Ben Salter, Levada walk

Garten Eden an der Südküste

 

Nach dem vielen Wandern sehnen wir uns nach Strand und Meer. So fahren wir in Richtung Süden. An den bebauten, grünen Terrassenfeldern und den überall üppig blühenden Hortensien, Bougainvillea, Chrysanthemen, Magnolien und Frangipanie-Pflanzen, dass wir in den klimatisch begünstigten, wärmeren Süden des Landes vordringen. Das idyllische Fischerdorf „Paul do Mar“ im Südwesten ist bekanntester Surfspot der Insel und unser Etappenziel. Wir haben Glück, die Wellen vor Paul do Mar brechen in perfekter Tunnelform womit uns die Surfer eindrucksvoll ihr Geschick beweisen können. Die relaxte Stimmung im Ort verzaubert uns und wir bleiben länger als geplant, bevor wir uns weiter auf der alten Küstenstraße in Richtung Süden auf den Weg machen.

 

Credit: Alexander Baxevanis, Waves & Surfers

 

Am Nachmittag gelangen wir zum „Cabo Girao“ – mit einer Höhe von rund 560 Metern eine der höchsten Steilklippen Europas. Der Blick nach unten ist schwindelerregend und aufregend zugleich. Der schönen alten Küstenstraße mit den spektakulären Ausblicken folgend, gelangen wir zum Sonnenuntergang in das hübsche Fischerdorf, „Camara de Lobos“. Am Ortseingang befand sich der Lieblingsort des Britischen Premiers Winston Churchill. Der Ort ist so malerisch schön, dass ihn Churchill auf einem Gemälde verewigt hat.

 

Von „Câmara do Lobos“ aus ist es nicht einmal eine Autostunde zurück zum Flughafen. Nach einer Woche voller schöner Erlebnisse, nehmen wir dankbar und etwas wehmütig Abschied von dieser wunderbaren Insel

Wenn auch ihr Lust bekommen habt, die Blumeninsel Madeira hautnah zu erleben, dann könnt ihr HIER euren Flug buchen. Die Flugdauer von Wien Schwechat nach Funchal beträgt 4 Stunden 45 Minuten.