Für alle, die einen aufregenden Städtetrip mit Parties, Kultur und Kulinarik lieben, ist die Balkan-Metropole an der Donau-Save-Mündung ein ebenso heißer wie noch geheimer Tipp.

Die 1,7 Millionen Einwohner-Metropole mit den zahlreichen Ostblock-Bauten, verlassenen Häusern und zerbombten Fassaden vom Nato-Angriff 1999 ist definitiv nicht die Schönste aller Städte Europas. Doch Belgrad, auch das „Tor zum Orient“ genannt, hat von allem Etwas und vor allem eines: faszinierende Menschen, deren reizvoller Energie man sich nicht entziehen kann.

Wir beginnen unsere Erkundungstour durch Belgrad mit dem Wahrzeichen der Stadt: der gewaltigen KalemegdanZitadelle mit den meterdicken Mauern und zahllosen Eingangstoren. Die Ursprünge dieser mittelalterlichen Festung, die im Laufe der Geschichte zahllose Male ihre Besatzer gewechselt hat, reichen bis in römische Zeiten zurück. Eine vorgelagerte Terrasse bietet atemberaubende Ausblicke auf das Donau-Save-Delta, hinüber auf die Stadtteile Zemun und Novi Beograd sowie bis tief in die pannonische Tiefebene hinein. Das Militärmuseum zeigt die Waffen, mit denen die Festung im Laufe der Jahrhunderte angegriffen und verteidigt wurde.

 

Knez Mihailova Street. Fotocredit: Jorge Láscar

Zu Fuß geht es weiter durch den weitläufigen Kalemegdan Park hinunter zur Belgrader-Altstadt. Praktisch, dass die Fußgängerzone um die Knez Mihailova, der Pracht- und Einkaufsstraße Belgrads, genau hier beginnt. In den prächtigen Gründerzeit- und Jugendstilhäusern der Fußgängerzone sind schicke Cafés, zahllose Buchhandlungen, Galerien und Modegeschäfte untergebracht. Es lohnt sich, in einem der Straßencafés, den so genannten „Kafanas“ Platz zu nehmen und zu staunen. „Nirgends sind die Menschen so schön wie in Belgrad“, schwärmt Marko, ein kontaktfreudiger Student, den wir beim Reiterdenkmal am Platz der Republik, dem zentralen Treffpunkt für Jung und Alt, kennen gelernt haben.

Republic Square and National Theatre behind. Fotocredit: Jorge Láscar

Tatsächlich scheinen vor allem die jungen Menschen hier überdimensional großen Wert auf ihr Aussehen zu legen. Und das, obwohl der Durchschnittsverdienst eines Serben bei 500 Euro im Monat liegt und viele bis zu drei Jobs haben, um überhaupt überleben zu können. „Es ist eines der Kennzeichen unserer Stadt, dass wir trotz unserer Armut, so viel wie möglich aus Allem herausholen“, erklärt Marko. Das betrifft nicht nur das Aussehen der Menschen, sondern auch den Belgrader-Lifestyle im Allgemeinen: Ein Supermarkt wird zu einem hippen Restaurant, ein stillgelegtes Fabriksgelände zur angesagten Ausgeh-Meile, das Stockwerk eines heruntergekommenen Hochhauses zur Diskothek umfunktioniert. Und, jede nächstbeste Ecke wird mit Live-Musik bespielt.

Belgrade musicians. Fotocredit: Adrià Páez Forteza

Bester Beweis für das neue, junge und kreative Belgrad ist Savamala, das Viertel hinter dem Belgrader Hauptbahnhof. Alte Art Nouveau-Fassaden und zerbröckelnde Bürgerhäuser zeugen von den besseren Zeiten dieses Viertels, das mit dem alten Hafen Beton Hala an das Save-Ufer grenzt. Um das bereits legendäre Mikser House, das gleichzeitig Kaffeehaus, Shop und Event-Location ist – werden die alten Werkstätten des Viertels laufend zu kreativen Lokalitäten umfunktioniert, wie etwa dem „Ben Akiba“ Comedy-Club oder dem stylischen Restaurant „Berliner“, das in einem stimmungsvollen Gewölbe serbische Köstlichkeiten und dazu unzählige Biersorten kredenzt. Street-Art und Graffities sind hier an jeder zweiten Hausmauer zu bestaunen.

Wenn es ums Flanieren und Genießen geht, ist man in Beton Hala, der Uferpromenade am Save-Ufer genau richtig. Hier finden sich viele von Belgrads vorzüglichen Restaurants wie dem „Sakura“, der „Toro Latin Gastro Bar“ oder dem „Cantina de Frida“, um nur einige zu nennen. Am Abend verwandelt sich die beliebte Promenade zur Ausgehmeile. Auf den alten, umfunktionierten Schiffen finden sich einige der angesagtesten Nachtclubs der Stadt, wie z.B. dem „20/44“, wo das Partyvolk bis ins Morgengrauen zu den Beats der internationalen DJ´s tanzt.

Wer weniger am Partyleben aber mehr an Kultur und Kulinarik interessiert ist, sollte unbedingt die traditionsreiche Skadarlija-Straße aufsuchen. In dem Boheme-Viertel trafen sich schon immer Intellektuelle und Politiker um sich mit dem Volk auszutauschen. Auf und um die Kopfstein-gepflasterte Straße gibt es zahllose Cafés, traditionelle Restaurants mit Live-Musik, Buchläden und Antiquariate.

Ein weiteres Wahrzeichen Belgrads, idyllisch auf dem Hügel Vracar gelegen, ist die Sankt Sava Kathedrale, die mit ihren gewaltigen Ausmaßen annähernd an die „Hagia Sophia“ in Istanbul heranreicht. Sankt Sava ist eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt und die größte Kirche Südost-Europas. Wohl deshalb befindet sie sich auch seit über 1935 immer noch im Bau und wird ständig renoviert. Im unteren Stockwerk kann man den Künstlern beim bemalen der Deckengewölbe zuschauen.

 

Sava Cathedral – Belgrade. Fotocredit: Predrag Bubalo

Unweit davon befindet sich das „Frans“, das zu den besten Restaurants Belgrads zählt. Hier speist man in einer Art „Botanischem Garten“ internationale und traditionelle Köstlichkeiten wie das Bohnengericht „Prebanac“, Krautwickel „Sarma“ oder deftiges Fleisch vom Grill.

Wer Zeit hat, sollte die Brankov-Brücke über die Donau in Richtung Zemun, der ehemals österreichischen Seite Belgrads, überqueren. Hier kann man wunderbar an der Uferpromenade spazieren und sich im Fischlokal namens „Stara Carinarinca“, übersetzt „Alte Zollstation“, den traditionellen „Saram“, geräucherten Karpfen mit getrockneten Pflaumen genießen. An dieser historischen Stelle entstand der Legende nach auch das Wort „Tschusch“, die heute leicht abschätzig konnotierte Bezeichnung für Balkan-Bewohner. Die Donau war über Jahrhunderte hinweg die Grenze zwischen dem Osmanischen Reich und Österreich-Ungarn. Kamen Reisende an den Fluß, riefen sie hier angeblich mit den Worten „cujes“ – gesprochen „tschujesch“, übersetzt „hörst du“, nach dem Fährmann, der sie über die Donau übersetzten sollte.

Old Customs House. Fotocredit: Stanislav Stankovic

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