(K)ein Flug wie jeder andere. Es war einer der längsten Flüge einer Austrian Fokker 70: Am 3. April startete die OE-LFL zu ihrem Überstellungsflug ins australische Adelaide. Sie ist eine von drei Fokker 70, die ihren Dienst in unserer Flotte beenden und an ein australisches Unternehmen übergehen wird. Ewald Roithner war Kapitän auf diesem Flug und hat uns einen Reisebericht geliefert. Das Resümée: Große Begeisterung, aber auch ein bisschen Wehmut.

 

Für drei unserer Fokker 70 ist das Ende ihres Dienstes in unserer Flotte gekommen: Die australische Charterfluggesellschaft Alliance Airlines mit Sitz in Brisbane hat die Flugzeuge mit den Kennzeichen OE-LFL, LFG und LFK gekauft. Ihre Flotte besteht ausschließlich aus Fokker 50, 70 und 100, mit unseren drei Fokker 70 werden sie 34 Flugzeuge betreiben.

 

Anders als bei Flugzeugverkäufen oft üblich, hat unsere Cockpit Crew die Flugzeuge auch nach Australien, und zwar nach Adelaide, überstellt. Den Anfang machte am 3. April die “Fox Lima”. Aber bevor so ein Sonderflug unter Austrian Flugnummer abheben kann, bedarf es viel Vorbereitungsarbeit. Das beginnt schon damit, eine Cockpit Crew aus dem laufenden Betrieb für diesen Flug freizuspielen. Kein einfaches Unterfangen, aber gleichzeitig ist so ein Überstellungsauftrag für uns auch ein lukratives Geschäft. Nachdem unser Ressourcen Management den Crew Einsatz sichergestellt hatte, konnte es mit der Detailplanung los gehen.

 

Ein Riesen Projekt

 

„Bei unserem ersten Koordinationsmeeting waren wir 20 Leute. Wir haben viele Schnittstellen, um so einen Flug durchführen zu können. Und im Laufe des Projektes ist das immer mehr gewachsen“, schildert Ewald Roithner den Ablauf hinter den Kulissen. „Es ging ja um eine Operation, die wir sonst nicht machen. Wir hatten auch relativ wenig Vorlaufzeit, alles in allem etwa eineinhalb Monate, nicht mehr.“

 

Austrian Airlines

Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen waren an der Vorbereitung des Fokker-Überstellungsfluges beteiligt.

 

In Summe brauchten wir zehn Landungen

Wie kommt man mit einer Fokker 70, die eine Reichweite von rund 2.500 km hat, also am besten ins rund 15.000 km entfernte Adelaide? Michael Gritsch von Flight Standards und Jörg Ortmayr vom Dispatch haben die optimale Flugroute geplant. „Die Fokker 70 hat eine relativ geringe Reichweite, daher braucht man einige Landungen, bis man in Adelaide ankommt. In Summe waren es zehn“, erklärt Ewald Roithner. „Abgesehen davon muss man die Route natürlich so kalkulieren, dass man Ausweichflughäfen zur Verfügung hat und bei eventuellen Verspätungen keine Probleme mit der Duty Time bekommt.“

 

Ist dieser Planungsschritt getan, beginnt die Bürokratie: Es gilt Überflugs- und Landgenehmigungen sowie Slots für die Flughäfen zu beantragen und das Handling inklusive Betankung an den Airports zu organisieren. Für jene Länder, in denen die Crew übernachtet, werden Hotels gebucht und wo nötig auch Visaformalitäten erledigt.

 

 

OS1487 – cleared for take off

 

Unter der Flugnummer OS1487 startete unsere Fokker 70 am 3. April um 09.10 Uhr Ortszeit zu ihrem letzten Flug unter dem Kennzeichen OE-LFL. Die Crew an Bord: Ewald Roithner als Kapitän, Michael Tannenberger, normalerweise Kapitän, diesmal in der Funktion des Kopiloten, und Martin Riedl, erfahrener Fokker Techniker. Das Austrian Logo und der Schriftzug waren beim Start bereits von Leitwerk, Rumpf und Triebwerken verschwunden.

 

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Die Crew (v.l.n.r.): Martin Riedl, Ewald Roithner, Michael Tannenberger

 

Die erste Etappe ihres Überstellungsfluges führte die „Fox Lima” bis zum türkischen Flughafen Şanlıurfa zum ersten Tankstopp. „Das ist einer der einsamsten Flugplätze, die ich je gesehen habe. Dort ist weit und breit nichts, und es gibt zwei bis drei Flugbewegungen am Tag. Unser Flug war jedenfalls dort das Highlight“, erzählt Ewald Roithner. Weiter ging es dann nach Doha im Wüstenstaat Qatar zum ersten Nightstopp.

 

Spektakuläre Aussicht beim Anflug auf Doha

Spektakuläre Aussicht beim Anflug auf Doha

 

Am nächsten Tag führte die Flugroute weiter nach Indien, zunächst zum Auftanken in Ahmedabad. 40 Grad Hitze erwarteten unsere Crew, und gerade dort haben die Formalitäten endlos gedauert. Das war auch beim nächsten Stopp in Kalkutta nicht viel anders.

 

„In Indien geht es unglaublich bürokratisch zu“, schildert Ewald Roithner seine Eindrücke auf diesem exotischen Stopp. „In Kalkutta mussten wir bar bezahlen, und der Beamte hat sich von jedem Dollar Schein die Serial Nummer aufgeschrieben. Es ist eben anders, wenn man nicht als Linienflug unterwegs ist, wo alles mit Verträgen geregelt ist.“ Trotzdem war vor allem Kalkutta ein kulturelles Highlight für unsere Crew. „Es hätte Spaß gemacht, dort noch einen Tag länger zu bleiben“.

 

Bleibt dran! Im zweiten und letzten Teil dieser Story macht sich die Fokker auf den Weg über den Äquator, überquert schließlich die rote Wüste Australiens und landet zum allerletzten Mal in Adelaide.